24.04.2002
HSCSD versus GPRS
HSCSD, Einstellungen

Die D1-, D2 und E-Netze sind schon von Anfang an datenfähig gewesen. Wer früher mit dem Ur-Nokia 9000 oder mit dem 9110 oder einem anderen datenfähigen Handy und Notebook durch das Internet gesurft ist, kennt das Problem: Der GSM-Datendienst CSD (circuit switched data) überträgt auf einem Kanal maximal 9600 Baud. Das reicht gerade mal für FAX, SMS, oder kurze eMails. Surfen ist eine Quälerei, die Daten kommen nur sehr langsam auf den Bildschirm.

Mit dem erweiterten Datendiensten GPRS (General Packet Radio Service) und HSCSD (High Speed Circuit Switched Data) haben die Netzbetreiber zwei verschiedene Alternativen entwickelt, die erheblich schnelleren Datentransfer zulassen.

Bei HSCSD wird die Datenrate pro Kanal auf maximal 14400 Baud erhöht und mehrere Kanäle gebündelt. Unser Communicator kann bis zu drei Empfangskanäle zusammenfassen und erreicht so 43200 Bit/sec. Zum Versenden nutzt er maximal 2 Kanäle (28800 Bit/sec.).
Leider hängt die Anzahl der möglichen Kanäle von der Auslastung und der verwendeten Technik ab. Sprachverbindungen haben Vorrang.
Das D2-Netz zum Beispiel arbeitet überwiegend mit Vermittlungsstellen von Siemens (etwa 70%) und Ericsson (die restlichen 30%). Nur wenn man im Ericsson-Switch eingebucht ist, hat man die Möglichkeit, mehr als 2 Kanäle für den Download zu benutzen, Siemens unterstützt nur maximal 2 Kanäle. Leider kann man nicht feststellen, wie die Vermittlungsstellen in Deutschland verteilt sind.
HSCSD ist für die Netzbetreiber ein echter Ressourcen-Fresser. Eine Verbindung belegt die maximal zur Verfügung stehenden Kanäle solange, bis sie wieder getrennt wird - egal ob Daten übertragen werden oder nicht.

GPRS ist paketorientiert und benötigt zur Aufrechterhaltung einer Verbindung nur den Signalkanal. Zusätzliche Kanäle werden nur nach Bedarf hinzugeschaltet und nach Beendigung einer Datenübertragung wieder freigegeben. Der Kunde zahlt für das übertragene Datenvolumen und nicht für die Onlinezeit. Pro Kanal überträgt GPRS pro Sekunde bis zu 13400 Bit. Heutige Geräte können auf bis zu 4 Kanälen empfangen und auf zwei Kanälen senden.

Mit diesen beiden Techniken sind ähnlich hohe Übertragungsraten möglich, wie mit analogen Modems im Festnetz. Allerdings wird bei HSCDS die online-Zeit berechnet und es ist immer ein Einwählen und Beenden der Verbindung notwendig. Bei GPRS ist das Gerät nach dem Einschalten ständig online und abgerechnet wird nach der übertragenen Datenmenge. Und dafür nehmen die Netzbetreiber unverschämte Preise, bei denen sich das normale Surfen absolut von selbst verbietet. Während sich also HSCSD vorzüglich zum Surfen mit dem 9210 im Internet eignet (und nebenbei natürlich auch eMails schnell heruntergeladen werden), eignet sich GPRS eher für die WAP-Technik und eMail-Empfang (sofortige Benachrichtigung beim Eingang, bzw. gleich die automatische Übertragung auf die mobile Ausrüstung), denn ein Megabyte per GPRS kann schnell über 30 Euro kosten. Hinzu kommen bei GPRS noch Tagespauschalen (T-Mobile-Data, T-Mobile XtraData und O2 Standard) oder gar Stundenzuschläge (Vodafone GPRS by Call). Die HSCSD Online-Zeit, in der unter optimalen Bedingungen ein Megabyte übertragen wird, kostet dagegen nur etwa 90 Cent bei ePlus oder etwa 44 Cent bei Vodafone (DataNight).

In Anbetracht der hervorragenden Möglichkeiten, mit dem 9210 im Internet zu surfen, der Möglichkeit, sich seine eingegangenen eMails per SMS ankündigen zu lassen, und den Kosten im Vergleich zu GPRS, ist Nokias Entscheidung für HSCSD richtig gewesen.

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